Sonntag, 10. März 2019

Meine erste Kurlimuser Magnum zum denkwürdigen Anlass


Der Anlass war zwar sehr traurig: meine Mutter starb kurz vor ihrem 89. Geburtstag. Jetzt, einige Wochen nach der Beisetzung, luden wir in der Seniorenresidenz Konradhof, wo sie wohnte, ihre besten Freundinnen und Freunde zu einem Gedenk Apéro riche ein. Meine Mutter gefiele das sehr.




Was lag da näher, als die bisher einzige Kurlimuser Magnum mitzubringen (2016). Alle Anwesenden kannten meinen Wein schon zur Genüge. Hatte meine Mutter doch viel davon erzählt und ihn auch schon aufgetischt. Und die einen waren sogar schon bei mir zum Weintasting.




Schön gekühlt schmeckte der Wein wirklich superb :-) Ich hatte Bedenken, ob die alten Leutchen wohl 1.5 Liter trinken würden. Denkste! Wir mussten danach noch 2 Flaschen Goldenberger Pinot Noir bestellen. Der wächst nur einige 100m von mir weg. Es hat sich mindestens niemand getraut, den besser zu bewerten als meinen Kurlimuser...


Winterschnitt

Der sonnige Samstag 17.2.2019, eine Woche nach der Rückkehr aus den fantastischen Engadin Skiferien, war der perfekte Tag für den Winterschnitt. Alles ausser 2 Ruten wurde weggeschnitten. Einmal mehr ärgere ich mich ein bisschen, dass ich während des letzten Rebjahres nicht besser vorausgedacht hatte.



Die kräftigen letztjährigen Ruten, die man für's neue Jahr braucht, sind wieder einmal zum Teil recht weit weg von den Rebköpfen. Am Kopf oder nahe am Kopf hat es keine oder nur wenige geeignete Ruten. Das könnte man steuern bei den diversen Rebschnitten unter dem Jahr, wenn man dran denkt... 2019 will ich es dann endlich mal beachten. Vor allem werde ich auch Triebe, die direkt aus dem Kopf spriessen, wachsen lassen. So wie es jetzt lief, werden die Köpfe immer breiter und "ausgefranster". Ob das für die Traubenqualität allerdings einen Einfluss hat, weiss ich nicht. Aber optisch sieht's schöner aus mit kompakten Köpfen.




Die wegen des grossen Traubengewichts im Sommer 2018 zum Teil zerstörten und nur notdürftig reparierten Spanndrähte habe ich nun ersetzt.




Derweil lagern der Rosé und der rote 2018er immer noch ruhig im Keller in den beiden Glasballons. Der Rosé riecht sauber und frisch, der rote etwas "zugeknöpft". Mal schauen, wie sich die Rekordernte dann bei der Abfüllung im Mai oder Juni präsentiert.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Mein Experiment: die Saignée Methode


Der Hobbywinzer in seinem Element
(im Hintergrund die "wahren Tropfen")

Ist ja langweilig, jedes Jahr das selbe zu machen mit den Kurlimuser Trauben. Deshalb habe ich entschieden und im letzten Blog schon angetönt, dass ich den ersten Oberwinterthurer Rosé Wein nach der Saignée Methode herstellen will. Saignée kommt von Aderlass. Nach 24 Stunden presste ich einen Teil der  Rotweinmaische - sie musste bluten. Der Most daraus war dann in der Tat rosé farben. Ca. 8 Liter. Allerdings sehr milchig, weil stark verschlammt. Im Nachhinein las ich, dass man den Weiss- bzw. Rosé-Saft sehr bald abheben muss. Vor der Gärung. Ich klärte dann nach der Gärung mit Kieselsol und Gelatine und hob den Saft zum ersten mal ab. Es half zu einem Teil. Aber milchig ist die Sache immer noch etwas. Mal schauen, was die kommenden Monate daraus machen. Das erste Tastig war jedenfalls gar nicht so schlecht. Und die gemessenen 7g/l Säre sind auch perfekt.


Das Ziel des Pressens: von der Maische
im Fass zum Most im Ballon

Der Presssack hält den grössten Teil
der Beerenrückstände zurück

Die restliche angereicherte rote Mische liess ich insgesamt 3 Wochen im Fass. Heute wurde sie nun ausgepresst. Wie immer ganz einfach von Hand mit Presssack und Trichter in den Glasballon. Geht perfekt bei den kleinen Mengen. Es gab die unglaubliche Rekordmenge von 26l rotem Saft. Obschon bereits mindestens 8l für den Rosé weggingen. Total waren das also gut 34l Saft aus 50kg Trauben. Nichts spezielles. Aber ich habe sehr bescheiden gepresst. Also wie man sagt vorwiegend den Vorlaufwein genommen. Das ist auch der gute Wein. Bei weiterem Pressen wären sicher noch viele Liter herausgekommen. Dieser Presswein gilt aber als minderwertig.

Der grösste Teil des Saftes fliesst als
Vorlaufwein ohne Pressen durch.

Den Saft füllte ich vorläufig in einen 17l und 12l Glasballon. Nach Abheben und Klärung sollte dann der 17l Ballon übrig bleiben. Mit 0.1g/l Schwefel (Kaliumpyrosulfit) desinfiziert. Auch der rote sieht ziemlich verschlammt aus. Einerseits ist das normal und anderseits haben die zusätzlichen ausgepressten Beeren vom Rosé sicher auch noch Festpartikel zugesteuert. Hoffen wir einfach, dass die Schwerkraft wie bisher in jedem Jahr zur Klärung beiträgt.

Deshalb wird nun gewartet, bis sich der Schlamm senkt und ich den Roten zum ersten mal abheben kann.


Donnerstag, 20. September 2018

Wümmet 2018


mein Boutique Weinberg 😉 mit Schutznetz ...

... und der Kurlimuser ohne Schutznetz

Samstag, 15. September 2018: ein warmer wunderbarer "Sommertag". Ich hatte zuvor entschieden, heute zu ernten. Die Oechsle wären sicher bis in den Oktober noch gestiegen, aber ich wollte verhindern, dass wieder Essigfliegen, Wildtiere und andere Unbill zu viel Schaden anrichten. Das blaue Netz wird entfernt. 


jede Traube wird akribisch überprüft, ob
es Essigfliegen-Beeren drin hat


Es kommen riesige Mengen Trauben zum Vorschein. Die untere Reihe ist perfekt. Sehr viele Trauben und alle 100% gesund. Ganz anders in der oberen Reihe: da hat die Kirschessigfliege gewütet. Vor allem in der Mitte. Man riecht die verseuchten Beeren auch: Essig! Da es von der unteren Reihe schon weit über 30kg Beeren hat, gehe ich in der oberen sehr selektiv vor. Ca. 1/3 lasse ich hängen oder schneide es ab. Es kommen wirklich nur die perfekten Beeren in den Topf.


Typisches Bild einer Kirschessigfliegen Beere

Dann wird von Hand im Wasser gewaschen und entrappt. Das Wasser immer wieder wechseln. Am Schluss sind es gut 50kg Beeren. Da ich den Versuch mit Rosé-Wein machen will, teile ich das auf:
-        ca. 18kg ins kleine 30l Fass für den Roséwein
-        ca. 32kg ins grosse 60l Fass für den Rotwein


jede Traube von Hand entrappen ...

... und was übrig bleibt: die Gerüste

Parallel dazu setze ich in der Küche die Hefe mit einem Fläschchen Bordeaux Flüssig-Hefe in zwei Gläsern mit Traubenmost an. Das beginnt etwa nach zwei Tagen an der Oberfläche zu schäumen. Dann kommt die Hefe zusammen mit Nährsalz und Zucker zu den beiden Weinen.


die Hefeanzucht

Zum Zucker: Ich messe ca. 60° Oechsle in der Maische. Also nicht so sehr viel. So wenig wie seit 2014 nicht mehr. Riesige Menge und frühe Ernte = wenig Zucker. Aber ich zuckere ja immer etwas auf mit Bio-Kristallzucker 😌

Nun wird der Inhalt des kleinen Fasses mit dem Presssack im Trichter von Hand ausgepresst in einen 12l Glasballon. Gärspund drauf. Die Farbe des Saftes ist schon recht rosé und noch trübe. Den "Trester" vom Auspressen leere ich zur Rotwein Maische. Das nennt sich "Saigné Methode". Die Rotweinmaische kriegt dadurch noch massiv mehr halb ausgepresste Beeren dazu. Das soll der tiefen Farbe und den Tanninen dienen.


Die reinen Beeren (links für den Rotwein und
rechts für den Rosé) werden mit einer
Holzlatte gekeltert, d.h. gestampft

Wenige Tage später gärt der Rote im Fass stark und der ganze Keller riecht herrlich nach Bodega, obschon ich natürlich das Fass mit einem Deckel lose abdecke. Den sogenannten Hut der Maische rühre ich 2x täglich unter. Der Rosé im Glasballon gärt noch eindrücklicher. Man hört die Gärung im ganzen Raum und alle paar Sekunden lupft es den Gärspunddeckel kurz. So perfekt ging die Gärung noch nie von statten.


Der bereits abgepresste Rosé gärt wie verrückt

So warte ich nun ein bis zwei Wochen, bis die Gärung beendet ist. Man erkennt das u.a. auch daran, dass die Oechslegrade nicht mehr weiter sinken.

Freitag, 27. Juli 2018

Hitzesommer 2018: Die Menschen stöhnen - die Reben freut's (bis jetzt)

Mein letzter Blog-Eintrag handelte noch von der Frostgefahr. Mittlerweile ist einiges geschehen, wettermässig. Im Rebberg hingegen machte ich so wenig wie noch nie. Im positiven Sinne! Keinerlei Düngung oder Spritzung. Gelegentlich hatte ich natürlich eh nur Kupfer und/oder Schwefel in kleinen Mengen gespritzt. Keine Krankheiten oder Schädlinge. (Fast) keine Pockenmilben, keine Chlorose. Keine Kirschessigfliege (wobei die käme wohl erst jetzt dann im reiferen Stadium). Das fast monatelang schöne und heisse Wetter ist wohl Schuld daran.

Nur gegipfelt habe ich hie und da. Und ein wunderschönes blaues Vogelnetz habe ich gekauft inklusive super professionellen Hacken (für oben) und Verschluss-Nadeln (für unten). Ich hab nicht so sehr Angst vor den Vögeln als vor den Wildtieren, die schon in zwei Jahren einen erheblichen Teil der Ernte im letzten Moment wegfrassen. Ob das Netz genügend stabil ist gegen zum Beispiel Dachse, weiss ich natürlich nicht 100%. Aber ich hab mal das best Mögliche getan.

Aber zuerst mal chronologisch:


Mitte Mai waren die Reben schön ausgetrieben.

Gleichzeitig entwickelten sich viele schöne Blütenstände.

Anfang Juni fand die wie immer unscheinbare Blüte statt. Früher als sonst. Da schon damals recht gutes Wetter herrschte, war die bei Muscat Bleu besonders gefürchtete Zerrieselung relativ gering.

Die Reben befruchten sich selbst. Aus den befruchteten Blütchen werden kleine grüne Knöllchen.

Den ganzen Juni durch wuchsen die Knöllchen langsam zu Beeren.

Mitte Juli fing der Farbumschlag an, die sogenannte Veraison.

Die Beerenmenge ist ausserordentlich in diesem Jahr. Sowas hatte ich noch nie. Falls die wirklich bis im September schön sauber reif werden und keine Katastrophen passieren, wird das eine Rekordernte geben. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben...

Die grosse Last der vielen Beeren drückte übrigens die Äste gegen unten und viele Trauben waren fast am Boden angelangt. Die Erziehung im tiefen Bogensystem ist ungünstig für solche Lasten. Es zerriss sogar ein Spanndraht - unglaublich. Meine Lehre: im nächsten Winter binde ich die beiden einjährigen Äste nur noch auf den zweituntersten Draht. Und vorgängig erneuere ich die mittlerweile sowieso schon etwas gealterten Spanndrähte durch neue dickere. Es gibt also immer was zu tun.

Jetzt war die Zeit gekommen, die blauen Schutznetze zu montieren.

Zuvor schnitt ich viel Laub heraus, damit die Sonne wieder ungehindert an die Beeren kann. Dann zog und band ich möglichst viele Äste wieder weiter nach oben (dabei riss eben ein Draht) und "entwirrte" die gewaltig vielen und grossen Trauben.

Die Trockenheit ist momentan so extrem, dass viele Pflanzen inkl. Bäume enormem Stress ausgesetzt sind. An meinen Reben merke ich aber noch keine negativen Auswirkungen. Im schlimmsten Fall wären die ja relativ schnell mit dem Wasserschlauch bewässert.